Start-up in Zeiten von Corona… was nun?

6. April 2020 — Dan-Alexander Levien

…einfach gesprochen: gesund und besonnen bleiben, die Regeln zur Vermeidung von Covid-19-Ansteckungen strikt und proaktiv einhalten, im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten weiter machen und die Zeit nutzen, um sich auf die Zeit „danach“ vorzubereiten!

Ihre Grundhaltung könnte sein:

Ja, es gibt günstigere Zeiten, seine Vision, Idee, Unternehmung an den Start zu bekommen. Andererseits bedeutet eine Unternehmung zu betreiben, Herausforderungen anzupacken und das Beste daraus zu machen. Kurzum: Es wird immer etwas geben, auf das sich der Unternehmer mit Kreativität, Geduld, und Durchhaltevermögen einlassen muss.

Aber der Reihe nach:

Sie sind gerade dabei ein Start-up zu gründen, haben gerade gegründet oder sind auch schon weiter? Sie befinden sich also im Vergleich zu etablierten Unternehmen in einer besonders verletzlichen Phase?

Ein Trost ist, dass es die „Großen und Etablierten“ nur bedingt leichter haben als Sie. Im Idealfall haben diese zwar ein Liquiditätspolster und ein Produkt, dass der Markt benötigt. Gleichzeitig bestehen aber auch entsprechend hohe Fixkosten, die weiterlaufen.

Nachfolgend hat Qivi für Sie 10 Punkte zusammengestellt, die Ihnen helfen können, Ihr Start-up erfolgreich durch diese Zeit zu manövrieren. Diese verstehen sich als Orientierungsangebot, sind weder abschließend noch vollständig, aber leicht zu merken und kurzfristig umsetzbar. Und gewissermaßen hängen sie alle zusammen:

  1. Lage bestimmen – in welcher Phase befinden Sie sich gerade?
    • Vor-Gründung: Hier drängt sich auf, den Starttermin zu verschieben und in der Zwischenzeit alle denkbaren Vorarbeiten zu erledigen, die früher oder später sowieso gemacht werden müssen, aber bisher auf „später“ verschoben wurden:
      • z.B. sind die Dokumentenvorlagen schon fertig?
      • Gibt es an der Homepage etwas zu optimieren?
      • Wurden interne Prozesse entwickelt, vereinbart und ordentlich beschrieben?
      • Haben Sie die Anforderungen der DSGVO bereits umgesetzt?
      • Haben Sie eine Archivierung Ihres Wissens organisiert?
      • Haben Sie weitere offene Punkte auf Ihrer To-Do-Liste?
      • Tipp: Schreiben Sie dazu all die bisher verschobenen Themen auf und beginnen Sie sukzessive mit deren Umsetzung. So können Sie die aktuelle Zeit konstruktiv und produktiv nutzen.
    • In Gründung: Das oben unter „Vor-Gründung“ Geschriebene gilt hier ebenso. Erschwerend kommt hier aber hinzu, dass der Zug bereits rollt. Eine Gegenmaßnahme könnte sein, die Geschwindigkeit liquiditätsreduzierender Aktivitäten zu reduzieren; d.h.
      • nach Möglichkeit Kosten zu senken,
      • Investitionen zu verschieben oder zu strecken, um die Liquidität zu schonen.
    • Bereits im Anlauf: Hier wird der Schwerpunkt darauf liegen, Kosten zu senken, alle aktuellen Aktivitäten auf den Prüfstand zu stellen, um die Liquidität zu sichern und gleichzeitig all das zu tun, um das Überleben des Unternehmens zu sichern. Das schließt auch ein, den Wiederanlauf nach der Pandemie gut zu meistern.
  2. Liquidität sicherstellen: Es liegt in der Natur der Sache, dass Start-ups ihre Liquidität scharf beobachten müssen, um sicherzustellen, dass Rechnungen bezahlt werden können. In Krisenzeiten sollte die Sensitivität weiter erhöht werden. Falls nicht sowieso schon ganz selbstverständlich vorhanden und praktiziert, sollte ein Liquiditätsplan erstellt werden. Der Liquiditätsplan sollte klar zeigen,
    • wann welche Rechnungen bezahlt werden müssen sowie ob und wann Umsätze erwartet werden können,
    • welche Liquiditätsabflüsse vermieden oder zeitlich gestreckt werden können.
  3. Kosten senken: Hierzu sollten Sie sich aufschreiben, welche Fixkosten und welche variablen Kosten Sie haben. Bei beiden Kostenarten müssen Sie hart und selbstkritisch prüfen, welche Sie gerade wirklich brauchen oder konkret auf Null reduzieren können. Das ist ein schwerer Schritt. Die Richtschnur ist: bleiben sollte nur, was wirklich überlebensnotwendig ist. Tun Sie diesen Schritt nicht proaktiv, wird das ansonsten leerlaufende Bankkonto eine Entscheidung ohne Gestaltungspotential erzwingen. Bei den Fixkosten lohnt sich der Gang zu den Vertragspartnern. Verhandeln Sie z.B. Zahlungsmoratorien. Bei den variablen Kosten heißt es sparen und Leistungsabrufe vermeiden.
  4. Strategie prüfen und weiterentwickeln: Ein Unternehmer muss stets seine Strategie prüfen und weiterentwickeln. Siehe dazu auch unseren Blogbeitrag vom 06.01.2020. Und das ist in Krisenzeiten wichtiger denn je. Überprüfen Sie Ihre Strategie vor dem Hintergrund der aktuellen Situation und antizipieren Sie diese auf die Zeit nach der Krise. Passen Sie Ihre Strategie entsprechend an. Ggf. müssen Sie Ihre Strategie komplett über den Haufen werfen. Tun Sie es, wenn es nötig ist, und zögern Sie nicht, es zu tun, solange Sie selber entscheiden und handeln können. Oft reicht aber auch eine Anpassung bzgl. konkretem Vorgehen und Zeitplänen. Vielleicht ergibt sich für Ihr Unternehmen aus der Krise auch eine Chance? Nutzen Sie diese!
  5. Konzeptarbeit fortsetzen: Haben Sie Ihre Strategie geprüft und weiterentwickelt, kann es sein, dass Sie bestehende Konzepte anpassen oder neue entwickeln müssen. Nutzen Sie die Ihnen jetzt zur Verfügung stehende Zeit!
  6. Businessplan prüfen und anpassen: Selbstredend haben Anpassungen Ihrer Strategie und Konzept auch Änderungen bei Ihrem Businessplan zur Folge. Passen Sie ihn entsprechend an und setzen Sie geplantes um. Mit dieser Orientierung, die Ihnen diese Arbeit gibt, wird es Ihnen leichter fallen, Ihre Vision, Idee und Unternehmung auf Kurs zu halten.
  7. Online-Recruiting fortsetzen: Es mag seltsam klingen, genau jetzt das zu tun. Aber ja, nutzen Sie die Zeit, Bewerber auf sich aufmerksam zu machen, sich online kennenzulernen, miteinander zu telefonieren, um die richtige Person für ihr Team zu gewinnen. Das braucht Zeit, und die haben Sie ggf. jetzt mehr als im normalen Alltag.
  8. Netzwerken: Telefonieren Sie mit ihren Geschäfts- und Vertragspartnern, sprechen Sie über Ihre Maßnahmen, nutzen Sie die Zeit für Akquise. Ggf. haben Ihre potentiellen Kunden jetzt mehr Zeit als sonst, um sich mit Ihren Angeboten zu beschäftigen.
  9. Weiterbilden: Wissen Sie schon alles, was Sie als Unternehmer brauchen? Sind Sie schon ein Spezialist in Sachen Finanzen / Tabellenkalkulation / rechtliche Anforderungen / Grafikdesign / Homepagepflege etc.? Sie sehen, die Themenvielfalt ist unbegrenzt. Bilden Sie sich fort. Das Internet ist voll von Wissen und Erklärvideos, teils komplett kostenfrei.
  10. Staatliche Hilfen nutzen: Der Staat versucht in diesen Zeiten besonders Sie durch reichhaltige Förderprogramme zu unterstützen. Informieren Sie sich, nutzen Sie die Angebote und Möglichkeiten und stellen Sie die erforderlichen Anträge. Das erfordert Zeit und etwas Geduld, lohnt sich aber. Anbei lediglich drei Links (es gibt bei weitem mehr als diese!), die ihrerseits weiterführende Informationen erhalten:

Kommen Sie gut durch diese Zeit und bleiben Sie bitte gesund. Wenn wir Ihnen helfen können, melden Sie sich einfach über unser Terminal!

Das Bild stammt von Alexandra Koch auf Pixabay.

Dan-Alexander Levien

Über Dan-Alexander Levien

Dan ist seit 2001 Rechtsanwalt und verfügt über besondere Erfahrungen in den Bereichen Gesellschafts-, Lizenz-, allgemeines Wirschafts- und Steuerrecht. Besonders gern moduliert er Unternehmesabläufe, so dass rechtliche Anforderungen praxistauglich integriert werden. Dan ist außerdem ausgebildeter Mediator und systemischer Coach.

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